Hochmittelalterliche Schuhe und Trippen

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Drei Paar hochmittelalterlicher Schuhe aus vegatil (pflanzlich) gegerbtem Leder. Die Schnitte sind typische 13. Jhdt.
Schuhschnitte: leicht spitz zulaufende Schuhspitze mit bis zu knöchelhohem Schaft.
Verschlossen durch Lederbänder, welche entweder um den Schaft gelegt sind, oder einen Schlitz verschließen.

An dem Paar rechts kann man die zusätzlich eingebrachte Fersenverstärkung erkennen.

Diese Schuhform war sehr verbreitet im Mittelalter, welches sich auch an den unzähligen gefundenen Reststücken belegen läßt. Im Bild sind drei fast vollständig rekonstruierte Schuhe zu sehen. Oftmals wurden Schuhreste in den Abfalleimern des Mittelalters, den Latrinen gefunden, da sie doch recht schnell kaputt gingen.
Der bedeutendste Unterschied zum modernen Schuh dürfte wohl die Herstellung sein. Heutzutage werden Schuhe auf Rahmen genäht, d.h. es werden Sohle und Deckleder an einen Rahmen genäht. Der Vorteil besteht darin, daß so größere Sohlen verwendet werden können.

Beleg f?r Schuhe

Im Mittelalter hingegen waren die Schuhe wendegenäht. D. h. auf den jeweiligen Fuß zugeschnittene Schuhteile werden miteinander vernäht und dann umgestülpt, so daß die Naht innen liegt. Die Schwierigkeit besteht darin, daß der Schuh nicht komplett vor dem Umstülpen genäht werden kann, sondern danach noch im Schuh weitergenäht werden muß. Natürlich wurden damals keine Gummisohlen verwendet, sondern lederne Sohlen, die entweder angenäht, oder an eine zweite Sohle angenagelt wurde (so konnte man die "Hauptsohle" des Schuhs immer gegen eine neue wechseln).

Durch ihre Materialien waren die mittelalterlichen Schuhe nicht so robust wie moderne, außerdem waren sie recht teuer im Vergleich zu heute, so daß die Menschen damals viel sorgfältiger mit ihren Schuhen umgingen. Mußte man z. B. durch eine Schlammpfütze hindurch, zog man entweder seine Schuhe aus, oder man hatte angesichts des schlechten Wetters schon sogenannte Trippen an. Diese hölzernen Überschuhe bestanden nur aus einer "Sohle" unter der zwei Stege, quasi als Abstandhalter zum Dreck, befestigt waren. Am Schuh gehalten wurden sie mit einem Lederriemen der über den Rist gespannt und mit einem Nagel verschlossen wurde (also vergleichbar mit modernen Badelatschen oder Holzschuhen).
Die gefundenen Trippen bestanden zum größten Teil aus Esche oder Eibenholz. Unsere beiden Paare sind aus Esche.

Quelle:

  • Schuhreste aus: Zeit der Staufer, Bd.2, Abb. 128