Die Brouche mit Beinlingen

Die Unterbekleidung des Mannes im Hochmittelalter bestand aus der Brouche (die Unterhose) und den Beinlingen, von der Brouche separate "Strümpfe". Der Beinling ist der Nachfahre der frühmittelalterlichen Hose, und geht im Spätmittelalter wieder in eine legginsartige Hose über.
Die Beinlinge werden mit Nestelbändern am Brouchengürtel befestigt. Als Verstärkung des Durchzugsloches hab ich einen kleinen Lederflicken aufgenäht.
Die Beinlinge sind leicht dreieckig nach unten zulaufend geschnitten. Damit sie genügend Elastizität erhalten, werden sie quer zum Schuss bzw. Kettfaden des Stoffes ausgeschnitten.
An manchen Beinlingen befand sich unten ein kompletter Fuß mit lederner Sohle, was darauf hindeutet, daß sie auch ohne Schuhe getragen wurden. Die Beinlinge waren fast ausschließlich aus Wolle.

Die Brouche (auch Bruche geschrieben) kann man mit einer modernen Boxershorts vergleichen. Es gab mehrer Typen der Brouche. Eine grobe Einteilung wäre:

  1. Wickelbrouchen, welche großzügig geschnitten sind und deren oberer rand aufgewickelt wird und dadurch die Brouche hält.
  2. Tunnelbundbrouchen, welche nicht ganz so weit zugeschnitten sind und an einem Brouchengürtel gerafft werden.

Bei beiden Varianten gab es Exemplare, bei denen die Schenkelinnenseiten offen waren.
Meine Brouche hat einen Tunnelzug durch den ein brettchengewebtes Band führt. Man kann die Raffung des Stoffes an dem Gürtel angedeutet erkennen. An den Schenkeln ist die Brouche geschlossen. Die Beinlinge aus dunkelblauem Wollstoff sind mit einem Fingerschlaufen-Band aus Leinen an den Brouchengürtel gebunden.

Das ganze wirkt etwas aufwendig und unbequem, jedoch soll hier gesagt sein, daß eine Brouche ungemein bequem ist. Die abnehmbaren Beinlinge kann man leicht ausziehen, oder einfach nur herunterkrempeln, wenn es zu warm wird.

Der Beleg zeigt einen Bauern bei der Arbeit aus der Kreuzfahrerbibel. Er hat seine Tunika in den Gürtel gesteckt, was uns einen Blick auf seine Brouche und Beinlinge erlaubt. Man kann recht deutlich den Schnitt und die Befestigung der Beinlinge erkennen.

Quelle:

  • Arbeitender Bauer aus: Kreuzfahrerbibel (digital-Bild auf Anfrage)